| nik bärtsch press | Jazzthetik CD Kritik |
01. 03. 2006
Nik Bärtsch’s Ronin
Stoa
Nik Bärtsch: p, fender rhodes / Kaspar Rast: dr / Björn Meyer: b / Andi Pupato: perc / Sha: b, bcl
Modul 36, 35, 32, 33, 38_17
Spieldauer: 57:15
ECM/Universal
****
Die Titel der numerisch abgezählten „Module“-Kompositionen sind auf den ersten Blick irritierend. Schliesslich lassen sie mehr einen elektrotechnischen Schaltplan als Partiturvorlage vermuten, den sich irgendwelche computerfrickelnden Post-Serialisten zusammengebastelt haben. Mit teilweise überaus exaktem Augenmass für die Rhythmusproportionen ist zwar auch der Schweizer Pianist Nik Bärtsch mit seiner Band Ronin an die fünf „Modul“-Einheiten herangegangen. Doch die tonangebenden minimalistischen Dauerschleifen, die sich in ihrer Komplexität zum Glück mehr an Steve Reich und nicht an Philip Glass orientieren, sind bisweilen mit einem Rock-Jazz-Impuls kurzgeschaltet, der wach hält. Gleich im ersten „Modul 36“, das mit einem glockenähnlichen Tempel-Signal in Klavier-Bass beginnt, entwickelt sich aus einer einfachen, repetiven und das gesamte Album zusammenhaltenden Keimzelle eine groovende Sogkraft, die an Billy Crobhams Spectrum erinnert. Und das sich anschliessende „Modul 35“ besitzt eine elastisch-rhythmische Verspieltheit im besten Esbjörn Svensson-Gepräge. Bärtschs Stärke ist die ständige Metamorphose von durchaus schnell ins Ohr gehenden Motiv-Gedanken, bei denen man sich aber nie zu sicher sein sollte. Zumal selbst der asiatisch-poetische Einfluss nie auf esoterisches Glatteis führt. Als „Zen-Funk“ hat Bärtsch seine stilistische Marschrichtung einmal bezeichnet. Für das Album Stoa gilt daher auch: geistig-spiritueller Vollzug anhand von musikalisch-kulinarischem Genuss.