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22. 02. 2006
Clan der herrenlosen Samurai
JAZZ
Nur wenige Künstler aus der Schweiz konnten ihre Musik auf dem Münchner Jazzlabel ECM veröffentlichen. Die Zen-Funk-Truppe Ronin des Zürcher Pianisten Nik Bärtsch gehört dazu.
Von Marcel Benedikt
Ritual Groove Music nennt Nik Bärtsch seine Stilform, die ihre Inspiration hauptsächlich aus der Minimalmusic und ihren repetitiven Mustern bezieht. Sie ist von ausgeprägter Klarheit und besticht durch die Beschränkung auf das Wesentliche sowie eine unheimliche Präzision in ihrer Ausführung. Die so genannten Module, die Bärtsch komponiert, bestehen in ihrer Essenz aus wenigen rhythmischen Mustern, die sich überlagern und so ständig neue Kombinationen und Formen entstehen lassen. Dieses mit Akribie entwickelte Konzept gelangt in seinen beiden Formationen Mobile und Ronin auf unterschiedliche Art und Weise zur Umsetzung. Während beim akustisch instrumentierten Quartett Mobile eher die zeitgenössisch-klassische Richtung eingeschlagen wird, stehen beim elektro-akustischen Quintett Ronin der Groove sowie eine gewisse Funkyness im Fokus. Für deren konkrete Anwendung zeichnet die traumhaft besetzte Rhythmusgruppe mit Kaspar Rast (Schlagzeug), Björn Meyer (E-Bass) und Andi Pupato (Perkussion) verantwortlich. Der zuletzt zur Band gestossene junge Berner Bassklarinettist Sha trägt das Seinige dazu bei, indem er gestochen scharfe Rhythmen aus seinem Instrument zu zaubern vermag. Gemeinsam im Kollektiv setzen Ronin die eng ineinander verzahnten Minimal-Patterns äusserst präzise um und lassen diese minutenlang locker kreisen und vibrieren. Dass es nun ausgerechnet Nik Bärtsch’s Ronin geschafft hat, beim deutschen Kultlabel ECM unter die Fittiche genommen zu werden, ist alles andere als ein Zufall. Sechs Alben hat der 34-Jährige zuvor unter eigenem Namen veröffentlicht, davon drei mit Ronin, zwei mit Mobile sowie eine Einspielung für Solo Piano. Die fein säuberlich mit Ritual Groove Music 1 bis 6 durchnummerierten Alben sind allesamt auf dem Berner Label Tonus-Music-Records erschienen, welches vom Klarinettisten Don Li geleitet wird. Der Wechsel zu ECM bedeutet für Bärtsch und seinen Clan einen Schritt nach vorne; es hätte sich wohl kaum eine geeignetere international renommierte Plattform für diese Musik finden können. Die Zusammenarbeit mit Labelchef Manfred Eicher ist reibungslos verlaufen, angefangen bei den Aufnahmen im Tonstudio bis hin zur Gestaltung des Booklets. Die ästhetischen Grundsätze des Labels und der Band decken sich weitgehend, der Sinn für ein Album als Gesamtkunstwerk ist beiden gemeinsam. Die Musik auf «Stoa» hat sich im Vergleich zu den vorherigen Einspielungen geöffnet und sollte damit auch einem grösseren Publikum zugänglich sein. Dass dies gelungen ist, ohne dabei die kompromisslose Haltung aufzugeben, ist absolut bemerkenswert. Es ist daher absehbar, dass der Weg der fünf Ronins, dieser nach den herrenlosen japanischen Samurai benannten Gruppe, weiterhin unaufhaltsam nach oben führt – in die Liga der bedeutenden Innovatoren der jüngeren Musikgeschichte.